Budapest

F O T O S
Jan_Federer

I N T E R V I E W
Jan_Federer

Für die neue Episode ging es weit raus aus der Turtle Comfort Zone, 1010 Wien. War mal ein Tapetenwechsel notwendig?

Bekanntlich löst das Verlassen des natürlichen Territoriums bei uns Schildkröten erheblichen Stress aus. Trotzdem war vergangenen August der Punkt gekommen, an dem wir dieselben Gesichter und die gleichen Skatespots, Tag ein, Tag aus, nicht mehr sehen konnten. Somit war die einstweilige Flucht aus dem gewohnten Areal wiedermal unumgänglich.

Wiener Spots hat man jetzt lange Zeit ausschließlich in lokalen Videos gesehen. Das hat sich mit dem Vans „Natural Born Cooler“ und Ben Chadourne’s „Glory Push“ geändert. Meinst du waren das nur die Vorboten, oder war’s das wieder mit Internationalität in Wien?

Von wegen! Es tauchen doch jeden Sommer immer wieder irgendwelche Typen auf, die man aus internationalen Videos kennt. Da hat man dann meistens irgendwelche Erwartungen und Vorstellungen, was er an diesem oder jenem Spot machen wird, weil man die Annahme pflegt, er würde auf Tour genauso fett skaten wie in seinem besten Videopart. Aber meistens holt einen dann die Realität, mit einer großen Portion Enttäuschung wieder ein. Die Schnarchnasen die mit Ben da waren (Bobby DeKeyzer, Hjalte Halberg, Paul Grund und Nik Stain), gaben ein gutes Beispiel dafür ab. Die sind ausschließlich nur die Karlsplatz Manniepads geskatet, als ob sie in ganz Wien keinen anderen Spot gesehen hätten und auf Fahrrädern wie pensionsreife Ex-Skateboardprofis, herumgefahren. Als ob sie nicht gecheckt hätten, dass das Herumpushen am super-smoothen Wiener Asphalt auch möglich ist. In solchen Momenten wird einem auch wieder klar, dass sogar die absoluten Favourites der Szene oft nur irgendwelche langweiligen Leistungssportler sein können.

Der erste Stopp war in Budapest. Hochsommer und die Stadt platzte mit Touristen, die sich für wenig Geld ins Koma trinken wollten, aus allen Nähten. Wie blieb dir der Trip in Erinnerung?

Das Einzig sinnvolle, dass wir unter Tags bei knappen 36 Grad machen konnten, war ein 1000 Teile Puzzle im Airbnb-Apartement zu lösen. Die restliche Action ist erst nach Sonnenuntergang passiert und kann leicht zusammengefasst werden : Streetlife, Skaten und Bier.

Lass uns kurz über unseren Spotguide Sanchez reden. Seine „Must See Spots“ waren unter anderem ein Tattoo Studio
und diverse Bars zur Mittagszeit. Kurzzeitig warst du mit
den Nerven schon am Ende…

Sanchez, ein Lifestyle-Skater wie er im Buche steht. Es waren aber gar nicht seine „Must See Spots“, die das Fass meiner Geduld zum Überlaufen gebracht haben. Eher war es sein brandneues Skateboard, das er konsequent nur in der Hand getragen hat und nicht einmal im Entferntesten daran dachte, dass er sich drauf stellen könnte, um uns Wiener Touristen schneller voranzutreiben. Dementsprechend lang hat seine Sightseeingtour dann auch gedauert, was sich schlussendlich auf meine Laune ausgewirkt hat.

Haha… und da fällt mir auch gerade ein wie er den Bs-Smith von Dallas straight in seiner Story gepostet hat und er auch nicht verstehen wollte, dass wir den gerne noch nicht ge-leaked hätten… Ein Traum von einem Spotguide.

Er hat’s einfach null gecheckt, in so vielerlei Hinsichten! Haha

Ziel des Trips war es ja einige Clips für den Part von Dallas zu sammeln. Hollywood High Bs Tail Fakie war leider keiner dabei, aber bist du trotzdem zufrieden mit dem Ergebnis? 

Meine maßlose Überforderung wäre vorprogrammiert, würde es zu so einem Kaliber von Trick kommen. Da würde ich mich wahrscheinlich nur noch in meinen Panzer zurückziehen und abwarten können. Eine der Hauptintention der Reise war es, Tricks für Dallas seinen Part zu filmen und er ist auch mit ein paar richtig coolen Clips nach Hause gefahren. Dabei gehört seiner außerordentlich energieeffizienten Arbeitsweise auf diesem Trip besondere Aufmerksamkeit zugeschrieben: Innerhalb der ersten zwei Stunden hat er drei Tricks gefilmt und sich danach nur noch dem Skate-Lifestyle unseres Tourguides angepasst. Weit und breit kein Anstand mehr, das Skateboard zum Einsatz zu bringen. Nichts desto trotz bin ich schwer zufrieden mit dem Endresultat. Vor allem die Trick-Beisteuerung von seinen Franksters und das Intro mit seinem Sohn Adam, hat dem Ganzen noch einen sehr persönlichen Touch gegeben, was sich meiner Meinung nach schon sehen lassen kann.

Der 2. Stopp, war noch mal einiges weiter weg vom Turtle-Center. War Sizilien deine Idee? 

Weiß ich gar nicht mehr. Der Hintergedanke war lediglich eine neue Destination im Süden anzupeilen, die nicht gerade Barcelona oder Malaga ist und gleichzeitig sollte sie niemandes Budgetrahmen sprengen. Sizilien war dafür perfekt geeignet.

Catania, die Stadt in der wir uns 99% der Zeit aufhielten war voll mit klassischen „Turtle Quick Feet Urban“ Spots. Hast du dich heimisch gefühlt? 

Mehr als heimisch sogar! Meine Stressbelastung durch den Revierwechsel war aufgrund der vertrauten Beschaffenheit der Stadt, Gott sei dank drastisch gesunken.

„Bekanntlich löst das Verlassen des natürlichen Territoriums bei uns Schildkröten erheblichen Stress aus.

Auch vom Sizilien-Trip verdient unser Spotguide eine Erwähnung. Mauro Caruso war einen Tag mit uns unterwegs und blieb straight bei jedem Spot im Auto sitzen..

Mehr laid-back als Mauro geht gar nicht! Eine absolute Legende in meinen Augen. Die totale Ignoranz dem Verwendungszweck eines Skateboards gegenüber, hatten unsere zwei Tourguides zwar gemeinsam, allerdings mit dem kleinen Unterschied, dass Mauro an jedem Spot den er uns gezeigt hat, höchstwahrscheinlich schon den besten Trick und noch mehr gemacht hat. Da würde ich mein Auto auch zur Hotbox umwandeln, konsequent drinnen sitzen bleiben und tausend Joints rauchen.

Stimmt, sonderlich beeindruckt haben wir ihn scheinbar nicht… „Episode 2“ wird also ein reiner Tour Edit? Und was ist für die 3. Episode geplant? 

„Nicht sonderlich beeindruckt“ ist ein völlig untertrieben. Jeder vorbei streunende Hund hätte den Typen mehr interessiert als uns energiegeladenen Skate-Touristen. Trotz anderer Ankündigung im Abspann der ersten Episode wird die Zweite eine reine „Tour-Episode“ mit Budapest und Sizilien Footage. Und für Episode drei und vier haben wir uns thematisch darauf geeinigt, dass die Entfaltung unserer Fähigkeiten und der Rückzug in das gewohnte Habitat wieder vollkommen im Fokus von uns Turtles stehen wird. #viennaisthemostloveablecity

“ Jeder vorbei streunende Hund hätte den Typen mehr interessiert als uns energiegeladenen Skate-touristen.