Sizilien

F O T O S
Jan_Federer

T E X T
Sven_Langkabel

Lento Violento – Langsam aber gewaltig

Langsame harte Bässe bestimmen den 4/4-Takt. Zwischen 80 und 115 BPM bewegen sich die Melodie und die entschleunigten Vocal-Samples. Vorbei ist der Italo-Disco mit seinen -flotten und eingängigen Melodien. Vorbei, der in den Vordergrund gemischte Gesang. Hallo Italien der 00er. Hallo Gigi D’Agostino – Du wunderbarer Erfinder der neuen Welt -(l‘inventore del nuovo mondo). Was nach Dir kommt ist mir egal. L`amour toujours.

I still believe in your eyes

I just don‘t care what you‘ve done in your life

Baby, I‘ll always be here by your side

Don‘t leave me waiting too long, please come by

I, I, I, I still believe in your eyes

There is no choice, I belong to your life

Because I will live to love you someday

You‘ll be my baby and we‘ll fly away

And I‘ll fly with you

I‘ll fly with you

I‘ll fly with you

Every day and every night

I always dream that you are by my side

Oh baby, every day and every night

Well, I said everything‘s gonna be alright

And I‘ll fly with you

I‘ll fly with you

Gigi hat mal gesagt, dass Lento Violento nicht nur eine exklusive Musikrichtung, sondern ein Lebensstil sei. Ich fühle Ihn, er hat ja so recht! Und ohne sozialstrukturelle oder kulturell-orientierte Lebensstiltheorien jetzt im Weiteren aufzuführen und interkulturell zu vergleichen, scheint der Begriff „Lebensstil” vielen von uns vermeintlich klar zu sein. Einige haben sicher schon einmal aufgeschnappt, wie jemand behauptet (oder sich gerechtfertigt) hat, dass das Skateboardfahren ja nicht nur eine Sportart oder ein Fort-bewegungsinstrument sei – Nein, Skateboardfahren wäre ja auch ein Lebensstil. Jesus, habe ich das schon oft gehört. Teufel, habe ich oft dabei geweint. Also doch noch mal ganz kurz, wenigstens vielleicht aus sozialwissenschaftlicher Sicht, oder durch die sozio-logische Brille: Wenn Menschen regelmäßig wiederkehrende Gesamtzusammenhänge in ihren Verhaltensweisen, Meinungen, Einstel-lungen, Wissensbeständen und vor allem in ihren Interaktionen erleben, so könnte man von einem gewissen Lebensstil sprechen. Wie sieht nun jemand aus der Lento Violento hört? Wie wird zu „the Riddle” getanzt und wie lange bleiben die Augen geschlossen, die Hände auf Hüfthöhe und die Lippen zusammengepresst, bis der Bass dropt und Du wie ein tollwütiger Hund in einer Rakete die Arme über den Kopf schmeißt und Gigi mit einer riesigen Kanone Konfetti in die Menschenmenge der Stadtrand-/Dorfclubs schießt. Stell Dir bitte eine Sekunde lang vor, welche Meinungen, Verhaltensweisen, Einstellungen und Wissensbestände die idealtypische Verkörperung des Lento Violentos aufbringen müsste.

Nicht jeder Gigi Fan trägt Fan-T-Shirts vom Rummelmarkt oder Kapitänsmützen mit strasssteinender Aufschrift: Langsam aber Gewaltig. Klar, ein Lebensstil kann unsichtbare Schranken haben, Attribute die einen Menschen von anderen abgrenzen oder sie auch verbinden. Hosenlänge oder –breite. Fashionpolizei. I don‘t give a fuck aber sich abfucken. Was verbindet ist Tony Hawk und das sich eingeredete kollektiv geteilte Freiheitsgefühl. Aber ich glaube Gigi meint etwas ganz anderes. Einfach skaten gehen. Probiert es aus. I‘ll fly with you.

 „Fashionpolizei. I don’t give a fuck aber sich abfucken.”

Es gibt eine Vielzahl an sportlichen Fortbewegungsmitteln, die spontan mit der Begriffs-bestimmung und der Praxis des konventionellen Skateboardfahrens assoziiert werden können (zum Beispiel Long-, Cruiser-, Penny-. Snake/Street-, Kick-, Waveboards). Bei dem Verb „to skate” liegt eine ähnliche Assoziationsproblematik zwischen dem her-kömmlichen Skateboardfahren und anderen Sport- und Fortbewegungsmitteln vor. Wenn wir vom „skaten” sprechen, ist damit nicht ganz klar, ob wir das Skateboardfahren oder das Fort-bewegen mit Inline-, Roller-, Snow-, oder Iceskates meinen. Aber auch der Ausdruck „SkaterIn“ verrät uns nicht eindeutig mit welchem Gegenstand die „SkaterIn“ ihre Praxis ausführt. Bei genauerer Betrachtung liegen auch hier strukturelle Unterschiede des Gegenstands, sowie der Nutzungsmöglichkeiten und damit auch differenzierte Praxis- und Darstellungsmöglichkeiten vor. Doch auch die Praxismöglichkeiten des Skateboardfahrens lassen sich in verschiedene Kategorien einordnen (Street-, Park-, Vert- und Freestyleskateboarding) und dadurch ebenfalls ausdifferenzieren.

 „Wir alle könnten Lento – Violento sein.”

Stell Dir bitte noch einmal einen Gigi D’Agostino-Fan vor – es könnte demnach jeder sein. Wir alle könnten Lento-Violento sein. Doch nicht jede Person die Gigi hört, muss/kann ihn auch fühlen. Dazu gehört eben dieser schwebende Begriff: „Lebensstil“.

Zehn Leute, zehn Tage und eine Wohnung. Skateboard-Tour. Lebensstil.

Und auch wenn wir nicht in jeder freien Minute Gigi D’Agostino durch unsere Bluetooth–Boxen jagten, hatten wir eine verdammt gute Zeit zusammen.

Ich freue mich euch wiederzusehen.

Danke meine Freunde.

Danke Sizilien.

Sven